
Herzgesundheit · Ratgeber
Herzfrequenzvariabilität: Tabelle nach Alter
Die Herzfrequenzvariabilität (HFV bzw. englisch HRV) gilt als Spiegel des autonomen Nervensystems – und sie verändert sich mit dem Alter. Diese interaktive Tabelle zeigt, in welchen Bereichen sich Werte wie SDNN, RMSSD und pNN50 in verschiedenen Lebensjahrzehnten bei gesunden Menschen typischerweise bewegen, und ordnet ein, wie die Zahlen zu verstehen sind.
Interaktive HFV-Tabelle nach Alter
Die folgende Tabelle beruht auf einer Studie mit 1.906 gesunden Personen im Alter von 25 bis 74 Jahren (Voss et al., 2015, PLOS ONE). Gemessen wurden Kurzzeit-Werte (ca. 5 Minuten) im Ruhezustand. Angegeben sind jeweils Mittelwert ± Standardabweichung. Tippe oder klicke auf eine Spaltenüberschrift, um zu sortieren, gib dein Alter ein, um deine Altersgruppe hervorzuheben, und wähle eine Kennzahl, um den Altersverlauf als Balken zu sehen.
| Altersgruppe | RR (ms) ↕ | SDNN (ms) ↕ | RMSSD (ms) ↕ | pNN50 ↕ | LF (ms²) ↕ | HF (ms²) ↕ | LF/HF ↕ |
|---|
Tipp: Gib dein Alter ein, um deine Gruppe farbig zu markieren.
Altersverlauf: RMSSD (ms)
Hinweis zur pNN50-Spalte: Die Werte sind hier so wiedergegeben, wie sie in der Quelle berichtet wurden (als Anteil; 0,20 entspricht ca. 20 %). Mit dem Alter sinkt pNN50 deutlich, da der parasympathische Einfluss nachlässt.
Was ist die Herzfrequenzvariabilität?
Ein gesundes Herz schlägt nicht wie ein Metronom. Selbst in Ruhe schwanken die Zeitabstände zwischen zwei Herzschlägen – diese kleinen Schwankungen nennt man Herzfrequenzvariabilität. Sie entstehen durch das Zusammenspiel des autonomen Nervensystems: Der Sympathikus beschleunigt den Herzschlag (Aktivierung), der Parasympathikus verlangsamt ihn (Erholung). Je flexibler dieses System zwischen beiden Zuständen wechseln kann, desto höher fällt die HFV in der Regel aus.
Eine vergleichsweise hohe HFV wird mit guter Anpassungsfähigkeit, Fitness und Erholung in Verbindung gebracht, eine dauerhaft niedrige HFV mit Stress, Erschöpfung oder eingeschränkter Herz-Kreislauf-Regulation. Wichtig ist aber: Mehr ist nicht automatisch besser – auch bestimmte Herzrhythmusstörungen können die Werte erhöhen. Aussagekräftig ist die HFV vor allem im persönlichen Verlauf, nicht als einzelne Momentaufnahme.
Die wichtigsten Kennzahlen
HFV lässt sich über mehrere Parameter beschreiben. Diese drei werden am häufigsten genutzt:
Standardabweichung aller normalen Schlagintervalle. Maß für die Gesamtvariabilität – wird von Sympathikus und Parasympathikus beeinflusst.
Wurzel aus den mittleren quadrierten Differenzen aufeinanderfolgender Schläge. Gilt als bester Kurzzeit-Marker für die parasympathische (vagale) Aktivität.
Anteil benachbarter Intervalle, die sich um mehr als 50 ms unterscheiden. Eng mit dem Parasympathikus verknüpft, eng korreliert mit RMSSD.
Daneben gibt es Frequenzmaße wie LF (niederfrequente Anteile, 0,04–0,15 Hz), HF (hochfrequente, parasympathisch geprägte Anteile, 0,15–0,40 Hz) und das vieldiskutierte LF/HF-Verhältnis. Quelle: Shaffer & Ginsberg (2017).
Allgemeine Referenzbereiche (Erwachsene)
Wenn du keine altersgenaue Einordnung brauchst, helfen breit angelegte Übersichtswerte. Die folgende Tabelle stammt aus einer Auswertung von 44 Studien mit 21.438 gesunden Erwachsenen (Nunan et al., 2010), zusammengefasst bei Shaffer & Ginsberg (2017). Es handelt sich um Kurzzeit-Werte (ca. 5 Minuten).
| Kennzahl | Mittelwert (SD) | Spannweite |
|---|---|---|
| IBI / RR (ms) | 926 (90) | 785–1.160 |
| SDNN (ms) | 50 (16) | 32–93 |
| RMSSD (ms) | 42 (15) | 19–75 |
| LF (ms²) | 519 (291) | 193–1.009 |
| HF (ms²) | 657 (777) | 83–3.630 |
| LF/HF | 2,8 (2,6) | 1,1–11,6 |
Als grobe Orientierung gelten bei gesunden Erwachsenen RMSSD-Werte ab etwa 30 ms als gut, Werte unter rund 20 ms werden eher mit Stress oder geringerer Belastbarkeit in Verbindung gebracht (Shaffer & Ginsberg, 2017). Die individuellen Unterschiede sind jedoch groß.
24-Stunden-Messung und Risikoeinschätzung
Die 24-Stunden-Messung gilt als „Goldstandard" der klinischen HFV-Beurteilung. Für die SDNN aus einer 24-Stunden-Aufzeichnung existiert eine etablierte Einteilung zur kardialen Risikostratifizierung:
Nach Shaffer & Ginsberg (2017): In einer Nachbeobachtung hatten Personen mit SDNN über 100 ms ein rund 5,3-fach geringeres Sterberisiko als Personen mit Werten unter 50 ms. Als Faustregel für die 24-Stunden-Messung nennen Fachleute SDNN-Werte zwischen 50 und 100 ms sowie RMSSD-Werte zwischen 30 und 70 ms als normalen Bereich (BARMER).
Wichtig: Kurzzeit- (5 Min), Ultrakurzzeit- (unter 5 Min) und 24-Stunden-Werte sind nicht direkt austauschbar. Eine 5-Minuten-SDNN von 50 ms bedeutet etwas anderes als eine 24-Stunden-SDNN von 50 ms.
Was die HFV beeinflusst
Neben dem Alter wirken zahlreiche Faktoren auf die HFV ein, weshalb der Vergleich mit Durchschnittstabellen immer mit Vorsicht zu genießen ist:
Die zeitbezogenen HFV-Maße sinken mit dem Alter; RMSSD und pNN50 zeigen teils ein U-förmiges Muster (Abfall bis ~60, danach leichter Anstieg).
Frauen haben im Mittel eine höhere Herzfrequenz und höhere HF-Anteile (vagal betont); Männer eher höhere SDNN-Werte. Unterschiede gleichen sich ab ca. dem 5. Lebensjahrzehnt an.
Höhere aerobe Fitness geht mit höheren HFV-Werten einher.
Langsames, tiefes Atmen erhöht die messbare HFV stark – die Messbedingungen müssen daher vergleichbar sein.
EKG- und PPG-Messung (z. B. Smartwatch) können sich unterscheiden. Wearables messen streng genommen die Pulsratenvariabilität.
Stress, Entzündungen, Schlafmangel, Diabetes und weitere Erkrankungen senken die HFV tendenziell.
Lässt sich die HFV verbessern?
Die HFV ist kein fixer Wert. Ein gesunder Lebensstil kann den altersbedingten Rückgang verlangsamen und die Werte im persönlichen Verlauf günstig beeinflussen. Bewährt haben sich regelmäßige Bewegung und Ausdauertraining, ausreichend und qualitativ guter Schlaf, langsames Atmen (etwa 6 Atemzüge pro Minute), aktives Stressmanagement sowie eine ausgewogene Ernährung. Entscheidend ist die Konsequenz über Wochen und Monate – nicht die einzelne Messung.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und Selbstbeobachtung. Er stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlungsempfehlung dar und ersetzt nicht das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Die genannten Werte sind Orientierungswerte aus Studien an Gruppen gesunder Personen. Sie können je nach Messmethode, Messzeitpunkt, Atmung, Tageszeit, App und individueller Veranlagung erheblich abweichen. Ein einzelner Wert außerhalb der Tabelle bedeutet für sich genommen keine Krankheit – ebenso wenig garantiert ein „guter" Wert Gesundheit. Aussagekräftig ist vor allem der Verlauf über längere Zeit unter vergleichbaren Bedingungen.
Wenn du Beschwerden hast, deine HFV zur Beurteilung deiner Gesundheit nutzen möchtest oder dir auffällige Werte Sorgen bereiten, wende dich bitte an medizinisches Fachpersonal. Bei akuten Symptomen wie Brustschmerz, Atemnot oder Herzrasen suche umgehend ärztliche Hilfe.
Quellen
- Shaffer, F. & Ginsberg, J. P. (2017): An Overview of Heart Rate Variability Metrics and Norms. Frontiers in Public Health, 5:258. doi.org/10.3389/fpubh.2017.00258
- Voss, A., Schroeder, R., Heitmann, A., Peters, A. & Perz, S. (2015): Short-Term Heart Rate Variability – Influence of Gender and Age in Healthy Subjects. PLOS ONE 10(3): e0118308. doi.org/10.1371/journal.pone.0118308 (Quelle der Alterstabelle)
- Nunan, D., Sandercock, G. R. H. & Brodie, D. A. (2010): A Quantitative Systematic Review of Normal Values for Short-Term Heart Rate Variability in Healthy Adults. Pacing and Clinical Electrophysiology, 33(11):1407–1417. doi.org/10.1111/j.1540-8159.2010.02841.x (Quelle der allgemeinen Referenzwerte)
- BARMER (Gesundheitsmagazin): Herzfrequenzvariabilität leicht erklärt. barmer.de (Faustregeln zur 24-h-Messung)
Stand der Recherche: Juni 2026.